Die schäumende Seite des Sonnenkönigs

Das französische Reinheitsgebot von 1688



Es gibt sie noch die alten Manufakturen in der Provence. Hier scheint es als ob die Zeit stehen geblieben ist. Wenn man die Hallen mit den großen Kupferkesseln (Chaudrons) betritt & sieht wie die Seifenmasse bis zu 10 Tage unter der Aufsicht eines Seifenmeisters brodelt, dann fühlt man sich wie in eine andere Zeit zurück versetzt. Für mich immer ein magischer Moment.

 

Vieles davon ist heute allerdings mehr ein 'Disney Land' für Touristen. Sehr sehenswert & lehrreich, aber oft wird im Hintergrund gar nichts mehr wirklich selbst produziert oder nur ein Bruchteil der eigentlichen Kollektion.

 

Tradition ist nämlich auch in der Provence ein Verkaufsschlager!

 

Die modernen Seifenmanufakturen sehen hingegen eher aus wie Labore. Diese haben dann deutlich weniger Charme für Besucher, die meisten davon produzieren aber immer noch nach dem weltweit einzigartigen französische Reinheitsgebot von 1688. Noch zu Zeiten des Sonnenkönigs Louis XIV., Ludwig, der 14., erlassen, weshalb ich ihm gerne den Kosenamen 'Seifenkönig' gebe.

 

Auch wir achten & befolgen dieses bei unseren Seifen aus eigener Werft.

 

Hauptbestandteil des 'Edit du Roy pour les manufactures du savon' (1688) zur Qualitätssicherung der Herstellung bei Seifen war die Vorschrift, dass Seifen nur aus hochwertigen & rein pflanzlichen Ölen gesiedet werden durften. Die sonstige Praktik Seifen auf Basis von Tierkadavern zu produzieren wurde bei strikter Strafandrohung untersagt.

 

Die Geburtsstunde der Savon de Marseille, der reinen Marseiller Seife!


Nach dem Reinheitsgebot durften ausschließlich hochwertige & rein pflanzliche Öle verseift werden. Tierische Fette waren bereits damals strikt untersagt.
Das französische Reinheitsgebot für Seifen von 1688, Erlass des damaligen Wirtschaftsministers Colbert auf Geheiß des Sonnenkönigs. Es durften ausschließlich hochwertige & rein pflanzliche Öle verseift werden. Tierische Fette waren bereits untersagt.
Quelle: Les merveilles de l'industrie ou, Description des principales industries modernes / par Louis Figuier. - Paris : Furne, Jouvet, [1873-1877]. - Tome I
Quelle: Les merveilles de l'industrie ou, Description des principales industries modernes / par Louis Figuier. - Paris : Furne, Jouvet, [1873-1877]. - Tome I
Quelle: Les merveilles de l'industrie ou, Description des principales industries modernes / par Louis Figuier. - Paris : Furne, Jouvet, [1873-1877]. - Tome I
Quelle: Les merveilles de l'industrie ou, Description des principales industries modernes / par Louis Figuier. - Paris : Furne, Jouvet, [1873-1877]. - Tome I
Quelle: Les merveilles de l'industrie ou, Description des principales industries modernes / par Louis Figuier. - Paris : Furne, Jouvet, [1873-1877]. - Tome I
Quelle: Les merveilles de l'industrie ou, Description des principales industries modernes / par Louis Figuier. - Paris : Furne, Jouvet, [1873-1877]. - Tome I
Seifenproduktion um 1900 herum, Bildautor unbekannt
Seifenproduktion um 1900 herum, Bildautor unbekannt

 

Nach dem 2. Weltkrieg setzte das große Sterben der klassischen Seifensiedereien ein, denn die neuen synthetischen Seifen & Waschpulver waren deutlich schneller & günstiger herzustellen als die klassischen reinen Pflanzenprodukte. Hauptbestandteil Mineralölderivate, immer verfügbar & schnell umzuwandeln.

 

Selbst in den letzten Jahren setzte sich das Verschwinden der kleinen klassischen Seifensiedereien fort. Auch wir waren persönlich davon betroffen als unser Kooperationspartner in der Provence 2018 plötzlich & für immer seine Pforten schloss. All unsere Seifenstempel & Formeln sind dabei mit untergegangen. Glücklicherweise waren wir zu diesem Zeitpunkt bereits so gut vernetzt, dass wir recht schnell eine kleine sympathische Familienmanufaktur fanden & die Produktion mit diesen recht schnell wieder aufnehmen konnten. Erst seit der Pandemie 2020 steigt die Nachfrage nach den reinen Pflanzenseifen wieder merklich an. Die meisten Seifenmanufakturen arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Dies hat leider den Nachteil, dass die Rohstoffpreis explodiert & der Markt für Rohstoffe zeitweise leergefegt war.

 

Wesentlicher Grund dafür sind die Eigenschaften der Pflanzenseife: sie ist eines der sichersten & effektivsten Desinfektionsmittel, dabei rein pflanzlich & biologisch vollständig abbaubar. Nach dem Robert-Koch-Institut (RKI, 11/2020) kann reine Pflanzenseife effektiv 99,9% aller Bakterien, Keime & Viren von den Händen beseitigen.

 


Die nachfolgenden Bilder zeigen Ausschnitte aus heute noch existierenden Manufakturen. Viele der genutzten Maschinen sind bereits deutlich älter als 100 jähre aber immer noch im werktäglichen Betrieb. Die meiste Bereiche der Produktion sind für Touristen allerdings nicht öffentlich zugänglich. Letztlich auch zu deren eigenem Schutz, denn wo Seife produziert wird, ist der Boden oft gefährlich glatt & die Verletzungsgefahr groß.



Historische Illustrationen aus diversen gemeinfreien Quellen. Durch uns bildtechnisch nachbearbeitet & verändert. Bildrechte auch für diese Werke bei uns!


Im Kürze schreibe  ich hier was zu dem Zungentest der Seifenmeister & dessen Bedeutung!

 

Aus meinem Bildarchiv habe ich viele weitere Bilder aus unseren zahlreichen Besuchen herausgesucht. Auch die lade ich nach & nach hier hoch. Die müssen 'nur' noch für den Webauftritt bearbeitet werden.

 

Hinweis zu den Bildrechten: ALLE Bilder (ohne Ausnahme) unterliegen dem internationalen Bildrecht & beim Hamburger Seifenkontor. Eine Nutzung ohne schriftliche Genehmigung ist strikt untersagt & wird im Falle des Verstoßes umgehend rechtlich abgemahnt. Bei den Illustrationen handelt es sich um sogenannte gemeinfreie Werke, d.h. Werke an denen das internationale Copyright abgelaufen ist. Allerdings wurden die hier gezeigten Bilder & Illustrationen von uns bildtechnisch bearbeitet. Deshalb gilt das zuvor gesagte auch für diese. Danke für die Respektierung!