Palmöl, für & wider, eine neutrale Sicht

sowie das 'greenwashing' der Beauty-Industrie & kritische Stellungnahme von Quarks.de



In (Süd-) Frankreich werden die meisten Seifen weiterhin mit Palmöl hergestellt. Dies hat viel Gründe.  Vor allem historische, denn die allermeisten überlieferten Seifenrezepturen basieren auf Palmöl. Traditionell wird dabei das Palmöl verwandt, das qualitativ nicht mehr in der Lebensmittel- oder Kosmetikindustrie verwandt wird.  Erstaunt war ich, als ich letztlich gelesen habe, dass Palmöl nun auch unter den Treibstoff gemischt & damit Ökostrom erzeugt wird.

 

Ist Palmöl denn gesundheitsgefährdend? Nein, auf keinen Fall, denn sonst würde man es nicht in der Mehrzahl unserer Lebensmittel finden. Palmöl ist sogar eine besonders gute Basis für die Seifenherstellung. Ich habe hier ein franzöisches Buch aus dem Jahre 1912 liegen, dass sich auf mehreren Seiten mit der Seifenproduktion sowie dem Für & Wider der verschiedenen Öle auseinandersetzt. Damals nicht mit dem Fokus auf den Anbau, sondern allein im Bezug auf die Wirkung. Palmölflocken wurden bis weit nach dem 2. Weltkrieg für die Wäsche genutzt, weil diese Seifenflocken kaum einen Eigengeruch haben & gut aufschäumen. Als das Palmöl aufgrund der Anbaumethoden dann vermehrt in den Medien in Verruf geraten ist, hat ein findiger Seifenproduzent angefangen seine Seifenflocken umzufärben. Die sind nun schön olivgrün, bestehen aber weiterhin überwiegend aus Palmöl. Diesen Anbieter haben wir, auch aus vielen anderen Gründen, nicht mehr im Sortiment.

 

Andere werben nun ganzseitig mit all den Zusätzen, die nicht in den Seifen anthalten sind. Meist dient das einfach dazu, von der Hauptzutat abzulenken. Die findet man dann ganz versteckt auf einer hinteren Seite des Verkaufsprospketes im Kleingedruckten, wenn überhaupt. Oder gut versteckt in der Zutatenliste.

 

Nachhaltiges Palmöl aus dem Kongo versus Palmöl aus extrem natur-zerstörerischem Anbau in Asien: Wie immer ist die Welt nicht nur scharz oder weiß. Es gibt immer zahlreiche Zwischentöne & Nuancen, die im hektischen Alltag zu oft untergehen. Viele verantwortungsbewusste französische Hersteller beziehen deshalb ihr Palmöl jetzt aus nachhaltigen Kulturen. Im Kongo leben von der Herstellung viele kleine Dörfer. Ähnlich der Herstellung von Sheabutter oder Arganöl. Die deutschen Medien zeigen meist nur die Schattenseiten der Palmölproduktion. Ein Bekannter von uns hat lange mit seinen Seifenformeln experimentiert & ist nun wieder bei vielen Produkten zu Palmöl zurückgekehrt. Die uralten Formeln mit Palmöl haben sich seines Erachtens bewährt. Auch versteht er das ganze Auf & Ab in den deutschen Medien nur bedingt, denn er bezieht sein Palmöl schon immer aus dem Kongo, wo er einige Jahre als Jugendlicher gelebt hat. Der einzige Unterscheid zu früher ist, dass er nun ein Zertifikat für den nachhaltigen Anbau als Beleg hat.

 

Wir haben uns bei unseren eigenen Seife gegen die Verwendung von Palmöl entschieden! Aus den bekannten Gründen, nicht weil Palmöl schädlich ist, denn sonst wäre es kaum in den meisten Lebensmitteln enthalten. Es geht um die umstrittenen & vernichtenden Anbaumethoden.

 

Wer z.B. den Film 'Die grüne Lüge' von Werner Boote gesehen hat, weiß, dass nicht Alles wirklich grün ist, was sich als vordergründig nachhaltig bewirbt, das immer stärker zu notierende 'greenwashing' der etablierten Großindustrie. Boote hat u.a. auch den aufrüttelnden Film 'Plastic Planet' gemacht. 

 

Jeder mag für sich selbst entscheiden wie er dazu steht. Wenn wir die Entscheidungsfindung mit unseren hier auf der Seite zu findenden Informationen unterstützen können, dann sind wir zufrieden. Den missionarisch erhobenen Zeigefinger überlassen wir lieber anderen Anbietern.

 

Es erstaunt lediglich, dass es Knall auf Fall so viel nachhaltiges Palmöl auf dem Markt gibt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt (Honi soit qui mal y pense). Unsere Entscheidung dagegen ist & war richtig sowie unumkehrbar.


Quarks, die Wissenschaftssendung des WDR, ist eine meiner bevorzugten Quellen, neben  der 'Sendung mit der Maus'.

 

Leicht verständlich & oft durch Schaubilder unterstützt, werden komplexe Sachverhalte verständlich erklärt. Eine hohe Kunst, die nur wenige Medien beherrschen.

 

Am 25.03.2021 hat Quarks im Newsletter das Thema 'Palmöl' aufgegriffen & eine sehr zutreffende Beurteilung im Podcast abgegeben. Mein alter VWL-Professor Klaus Rose hat immer dafür geworben, komplexe Fragestellungen nicht mit einfachen Denkansätzen zu begegnen, denn die Realität ist immer komplexer als die oft vorgeschlagenen simplen & meist sehr einleuchtenden pauschalen Lösungsansätze.

 

'Nachhaltiges Palmöl – gibt es das?

Palmöl hat einen schlechten Ruf – der Anbau zerstört Urwälder, nimmt Tieren ihren Lebensraum, belastet Böden und Gewässer. Es sei denn Palmöl wird nachhaltig angebaut – ökologische und soziale Standards eingehalten. Und dieses Palmöl gibt es. Es wird bereits in vielen Produkten verwendet. Für Verbraucher leider oft nicht gut zu erkennen, da oft ein Nachhaltigkeitssiegel fehlt. Und gegenüber anderen Ölen hat ökologisches Palmöl sogar einen großen Vorteil: Der Flächenbedarf ist bei gleichem Ertrag deutlich geringer – gegenüber Rapsöl brauchen Ölpalmen nur ein Drittel an Fläche, gegenüber Soja sogar nur ein Sechstel. Marcus Schwandner aus dem Quarks-Team berichtet | 

 

Warum Palmöl auch gute Seiten hat

DailyQuarks – Dein täglicher Wissenspodcast 27.07.2020 24:43 Min.

Verfügbar bis 27.07.2021 WDR Online. Externere Link zum Beitrag hier.

 

 

Mehr: 

"Wie kann man den Bösewicht Palmöl naturfreundlicher machen?" | Externer Link zum Beitrag hier. WDR 5 Quarks - Hintergrund 09.07.2020 11:24 Min. Verfügbar bis 09.07.2025 WDR 5

 

 

"Darum bringt ein Verzicht auf Palmöl nichts" – ein Quarks-Beitrag vom 11.09.18 | Externer Link zum (Text-) Beitrag hier.


Segeln unter falscher Flagge & die neue 'Natürlichkeit'!

 

 

In einem französischen Supermarkt bin ich vor gar nicht langer Zeit über eine sehr preisgünstige Seife gestolpert, die zum überwiegenden Teil aus Tierfetten, d.h. aus Schlachtabfällen produziert wurde. Geschickt versteckt unter dem nicht viel sagenden Begriff sodium tallowate. Keine Angst, so etwas passiert bei uns unter Garantie nicht!

 

Falls wir tierische Produkte als Zusatz verwenden, dann weisen wir dies klar aus & achten darauf, dass dafür Tiere weder gequält noch getötet werden. Zutaten sind z.B. Eselsmilch, Honig oder Schneckenschleim.

 

Die sehr ansehnliche Verpackung sprach von einer reinen Marseiller Seife & versprach für schmales Geld wahre Wunder. Nur, dass der Hauptbestandteil Tierfett aus Schlachtabfällen war, stand da nicht. 1688 dachte man leider noch nicht an Markenschutz. Deshalb können heute viele Hersteller ihre Produkte unter der Bezeichnung 'Savon de Marseille' anbieten, obwohl sie die damaligen Kriterien des französischen Reinheitsgebotes nicht erfüllen. Segeln also unter falscher Flagge!

 

Auch die finanzstarke Beautyindustrie segelt zunehmend unter der Flagge der neuen Natürlichkeit. Jahrelang waren wir unbeobachtet in einer stillen Nische aktiv, denn mit festen Seifen lies sich kein Geld verdienen. Nun schlägt das Imperium zurück! Die festen Produkte scheinen auch für die größeren Akteuere an Attraktivität zu gewinnen. Bevorzugt werden preisintensive Werbekampagnen gefahren, die eine hohe Natürlichkeit vortäuschen, die die meisten Produkte aber gar nicht besitzen. Werden natürliche Bestandteile verwandt, dann haben diese oft eine Alibifunktion, denn der prozentuale Anteil liegt meist im Nachkommabereich, d.h. ist verschwindend gering. Der Hauptbestandteil einer großen Zahl von Kosmetikartikeln bleibt weiterhin Mineralöl & daraus gewonnene Derivate. Dies trifft auch eine stattliche Anzahl hochpreisiger Artikel zu. 

 

Eine weitere Strategie ist nun die stolze Präsentation einer Vielzahl von Zertifikaten, die die Natürlichkeit & die 'faire' Herkunft dokumentieren sollen. Beides wird von kritischen Beobachtern des Marktes unter dem Begriff 'greenwashing' zusammengefasst. Parallel zum verschwindend geringen Anteil der natürlichen Zutaten im Gesamtprodukt wird versucht dies durch die vorgenannten Siegeln & Zertifikaten in den Fokus des Käufers zu rücken. Für Geld sind viele davon auf dem Markt leicht zu erhalten oder man geht gleich dazu über eigene Industriesiegel phantasievoll zu schaffen. Das hat auf der Verpackung & in der Werbung Signalwirkung, das sehr klein Gedruckte auf der Rückseite, die eigentlichen Zutaten, liest dann kaum jemand noch. Und falls doch, dann erlebt man dabei nicht selten eine ziemliche Überraschung.

 

Garantiert unzertifiziert: Deshalb findet Ihr bei uns keinerlei Siegel & Zertifikate. Diese können wir uns 1. finanziell gar nicht leisten. Außerdem gibt es eine Vielzahl davon auf dem Markt. Auch unsere, meist kleinen Zulieferer, können diese nicht bezahlen, dafür sind die Magen zu gering. Bedingungslos schauen wir hingegen auf die Qualität jeder einzelnen Zutat & investieren unser Geld lieber hier. Dadurch bleibt das Endprodukt bezahlbar & hat ein sehr attraktives Preisleistungsverhältnis.

 

ALL unsere Seifen sind rein pflanzlich, vegetarisch & vegan sowie vollständig biologisch abbaubar! Bis auf die klar ausgewiesenen tierischen Zusätze (Honig, Milch oder Schneckenschleim).

 

Bei einigen unserer Produkte seht Ihr einen weißen Schleier, besonders bei den dunkleren. Dies ist kein Mangel, sondern eher ein Qualitätsmerkmal, denn die Seifen 'schwitzen' das vielviel an Bio-Sheabutter aus. Nach der ersten Nutzung sind diese Spuren verschwunden. Da wir unsere Produktbilder keiner umfassenden Beautyretusche unterziehen wie es sonst oft der Fall ist, zeigen sie die Seifen im wahrscheinlichen Lieferzustand. Sie sind also nicht idealisiert, sondern realistisch.

 

Das oben eingefügte Bild zeigt den berüchtigten britischen Piraten Blackbeard (Geschichtsbuch von 1736).