2020/21 -ganz besondere Jahre!



Eine kurze Zeitreise zurück zum Anfang von COVID-19 in Hamburg

 

Zu Beginn der Pandemie waren wir zu einem Arbeitsaufenthalt in Dänemark an der Küste. Um neue Seifen zu komponieren benötigt man eine möglichst reine Luft. Die dänische Meeresküste ist hierfür bestens geeignet.

 

Dann erreichten uns nach & nach Bilder von leergeräumten Supermarktregalen in Hamburg. Freude & Bekannte schickten uns befremdliche Bilder mit gähnend leeren Toilettenpapierregalen sowie Seifen. Wir fühlten uns am falschen Ort zur falschen Zeit.

 

Zurück im Seifenkontor stellten wir uns auf einen Ansturm ein, denn Drogerien durften als systemrelevante Geschäfte weiterhin geöffnet haben. Doch die Kunden blieben aus. Innerhalb von 2 Wochen hatten wir ganze 5 Kunden. Wie wir später merkten, dachten die meisten, wir seien geschlossen. Wir überlegten schon den Laden für eine geraume Zeit zu schließen & staatliche Unterstützung zu beantragen. Parallel bekamen wir fortlaufend Anfragen von Groß- & Onlinehändlern, die wie Geier das Aas rochen & vor allem schnelles Geld machen wollten. Einige davon wollten uns den kompletten Bestand an Seife abkaufen. Selbstverständlich für einen Bruchteil unserer eigenen Herstellungskosten. Vollkommen selbstlos also.

 

In dieser frustrierenden Phase erreichte uns Ende März ein Anruf von den Eimsbüttler Nachrichten. Die Journalistin, Marianne Bruhns,  trat mit der provokanten Frage an mich heran, dass doch jetzt in den Zeiten des Mangel an Handhygiene 'goldene Zeiten für Seifenhändler' herrschen müssten. Mein alter VWL-Professor Klaus Rose antworte auf solche Thesen meist mit dem Satz 'Klingt logisch, ist deshalb mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsch!'. Wobei er nach dem ersten Teilsatz immer eine spannungssteigernde Zeitlücke lies. So auch in unserem Fall, naheliegend, aber nicht zutreffend. Ich schilderte ihr kurz die Lage, dass wir ausgerechnet jetzt kurz vor dem finanziellen Aus standen. Den kompletten Bericht könnt Ihr auch unten oder hier online lesen (externer Link).  

 

Exkurs: Leider ist der kleine Verlag, der so viele andere Eimsbüttler so intensiv, effektiv & liebevoll unterstützt hat, jetzt selbst wegen den ausbleibenden Werbekunden angeschlagen. Deshalb haben wir eine gemeinsame Seifenaktion ab Mitte November 2020 gestartet. Die EMU-Seife, deren Einnahmen zu 100% an kleine Unternehmen in unserem Stadtteil fließen. In Hamburg hält man zusammen!

 

Einen Tag später, ein Freitag, ging der Artikel online & wurde kurz darauf von vielen anderen Zeitschriften wie die Hamburger Morgenpost, aber auch überregionalen Medien übernommen (Berlin, Köln, ...). Als ich am Samstag den Laden öffnete, traute ich meinen Augen nicht, denn es gab eine Warteschlange von Kunden, die einmal rund ums Haus ging. Auch die folgenden Tage hielt dieser Ansturm an.


Bilder von Daniel, einem hoch sympathischen Nachbarn gemacht & per WhatsApp geschickt, sonst hätte ich die Schlange nie gesehen. Danke an Alle die uns so spontan unterstützt haben & bis zu 90min ausgeharrt haben. Aktuell haben wir keine Wartezeiten ;-)


Die überwiegende Zahl der Besucher waren Neukunden, die zwar in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnten, unseren kleinen Laden aber gar nicht kannten & erst über den Artikel auf uns aufmerksam geworden waren. Reine Pflanzenseife war plötzlich ein Artikel, der auf großes Interesse stieß, denn alle Experten waren sich darin einig, dass Händewachen mit reiner Pflanzenseife ein wichtiges Mittel im Kampf gegen den Virus sei. Mindestens 20 bis 30 Sekunden damit die Hände waschen & alle Bakterien, Keime & Viren sind unschädlich gemacht. Eine weitere Desinfektion für den Privatgebrauch nicht erforderlich. Während alkoholisierte Desinfektionsmittel auch den Fettfilm der menschlichen Haut schädigt, können unsere Pflanzenseifen mit vielviel Bio-Sheabutter desinfizieren & pflegen zugleich.

 

Am Besten hat dies damals die Sendung mit der Maus auf den Punkt gebracht. Sobald ich den Link wiedergefunden habe, füge ich Ihnen hier ein. Falls Ihr ihn habt, schickt ihn mir gerne zu. Das Video würde ich gerne hier einbetten.

 

Soviel Interesse hatten wir nie zuvor. Die oft verpönte Stückseife auf 1x ein begehrtes Produkt. Ununterbrochen klingelte das Telefon & wir haben massenweise Bestellungen per Anruf sowie Mail bekommen. Schnell konnten wir für das Hamburger Stadtgebiet auch einen Vespa-Lieferservice einrichten. Feste Stückseife war so eines der begehrtesten Ostergeschenke 2020 in Hamburg. Hätten wir einen Internetshop gehabt, wären wir innerhalb wenige Tage ausverkauft gewesen. Glück im Unglück, hatten wir keinen & konnten so die Nachbarschaft sowie das Hamburger Stadtgebiet mit der begehrten Waren ausreichend versorgen.

 

Wir haben die stark gestiegene Nachfrage nach Seife allerdings nicht ausgenutzt um Preissteigerungen zu rechtfertigen. Gerade jetzt mussten die Preise für Alle bezahlbar bleiben. Deshalb haben wir die Preise stabil gehalten, während in einer benachbarten Apotheke eine einfache Schutzmaske schon mal bis zu 20 EUR kosten konnte. Ich persönlich meide diese Apotheke seitdem, denn schnelles Geld mit dem Leid & den Ängsten von Menschen zu verdienen finden wir persönlich extrem unmoralisch. Helmut Schmidt brachte dies vor vielen Jahren treffend auf den Punkt:

 

'In der Krise beweist sich der Charakter!' (Helmut Schmidt)

 


Auf diesen Beitrag hin rief mich am Ostersamstag der Eigentümer von Budni an & bot uns Unterstützung an. Nun sind wir bereits in 2 nachhaltigen budni in Hamburg mit einem kleinen Verkaufsstand. Danke für die Unterstützung an Budni & Hamburger Abendblatt!
Auf diesen Beitrag hin rief mich am Ostersamstag der Eigentümer von Budni an & bot uns Unterstützung an. Nun sind wir bereits in 2 nachhaltigen budni in Hamburg mit einem kleinen Verkaufsstand. Danke für die Unterstützung an Budni & Hamburger Abendblatt!

Der Stern, das Hamburger Abendblatt sowie NOA-TV berichteten in den kommenden Wochen über uns, denn gute Nachrichten waren ja Mangelware. Externer Link zum Sternbeitrag: https://www.stern.de/wirtschaft/news/warum-ein-hamburger-seifenverkaeufer-ausgerechnet-jetzt-vor-der-pleite-steht-9201680.html 

Unten eingefügt findet Ihr die entsprechenden Presseberichte im Original.

 

Wenige wachsame Nachbarn hatten uns dabei stets im Auge. Vollkommen unverständlich war denen scheinbar, dass unser kleiner Laden weiterhin geöffnet haben durfte. Regelmäßige Besucher waren deshalb Polizisten bei uns. Eine sehr eifrige Beamtin wollte uns sogar Zwangsschließen. Drogerien standen aber deutlich auf der Positivliste des Hamburger Senats. 'Können Sie denn beweisen, dass Sie eine Drogerie sind', war die lapidare Frage darauf. Glücklicherweise  hatte ich eine Seite aus der aktuellen Tageszeitung aufgehoben. Dort waren farblich hinterlegt, welche Geschäfte geöffnet haben durften & welche nicht. Das hat dann nach längerem guten Zureden überzeugt. In den darauf folgenden Tagen & Wochen hatten wir weiterhin regelmäßig Besuche von Polizeibeamten in Uniform. Die kamen allerdings dann um sich Seifen zu kaufen.

 

Eine Szene bleibt mir hier besonders in Erinnerung. 4 Beamte in Uniform stehen in ihrer Pause im & vor dem Laden, innen unter strenger Beachtung der Abstands- & Hygieneregeln. Eine ältere Dame mit Rollator kam interessiert näher & sprach den Beamten in der Tür an: 'Ach, machen Sie jetzt endlich diesen Laden zu?' Irritiert drohte sich der Beamte um & erwiderte 'Nein, wir kaufen hier Seife. Das sollten Sie besser auch mal tun.' Leider konnte ich den Gesichtsausdruck der Dame nicht sehen, wohl aber, dass sie sehr geschwind ihren Weg fortsetzte.  Schade, dass wir die Szene nicht filmen konnten. Betrüblich aber die Missgunst & das Unverständnis einiger 'gesorgter' Bürger.

 

Wir waren & sind unendlich dankbar für die uns damals entgegengebrachte Welle der Sympathie & Unterstützung. Leider hatten wir zu dem Zeitpunkt noch keinen funktionierenden Onlineshop. Dies hätte uns einerseits stark entlastet, gleichzeitig hätte dies aber auch bedeutet, dass wir wohl innerhalb weniger Tage vollständig leergekauft gewesen wären. Deshalb war das Fehlen vielleicht sogar ein absoluter Vorteil, denn so hatten wir bis zur Sommerpause ausreichend Ware an Bord, um die Hamburger ausreichend zu versorgen.

 

Goldene Zeiten? Nein, leider immer noch nicht. Während unser Bestand an Seifen immer geringer wurde & wir Geld für die Nachproduktion im Sommer 2020 ansparen mussten, traf uns die Meldung, dass der Rohstoffmarkt fast leergeräumt & die Preise explodiert seien. 30% & mehr im Vergleich zu dem Zeitraum vor dem Virus. Und schon hatten wir die nächste Finanzierungslücke & eine neue Herausforderung. Die wir dann letztlich doch noch irgendwie bewältigt bekommen haben, dank Eurer Unterstützung.

 

Nur durch Euch sind durch die erste schwere Phase gekommen. Unser Dank an Euch: Wir geben bis auf Weiteres die Preissteigerungen nicht an Euch weiter, denn wir vermuten mal, dass die Rohstoffpreise sich nach dem Virus wieder deutlich nach unten anpassen, aber nie wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen werden. Seife muss aber gerade jetzt für alle Kunden erschwinglich bleiben & darf gerade in Krisenzeiten kein Luxusprodukt werden.

 

Da wir noch lange auf diesem Markt aktiv bleiben wollen, setzen wir  nicht auf das schnelle Geld wie so viele der neuen Pseudo-Unternehmen, die den Trend nutzen um den schnellen Euro zu machen. Das streben wir nicht an. Wir wollen lediglich finanziell überleben. Reich werden mit Seife hat noch nie zu unseren persönlichen Zielen gehört, sonst hätten wir nicht schon 10 Jahre in deutlich schwererem Umfeld durchgehalten. In dieser Phase wurden wir oft als die Spinner mit der Seife gesehen. Wie schon John Winston Lennon richtig bemerkte, Spinner haben eine oft unterschätzte gesellschaftliche Funktion.

 

Unser Dank gilt allen Beteiligten & Unterstützern. Ihr habt uns mit Eurer Riesenwelle der Sympathie beschämt & zugleich unglaublich motiviert. Wir geben weiterhin unser Bestes, um Euch jederzeit zufriedenzustellen!



„Hamburger Seifenkontor: Seife satt, doch Existenz gefährdet“

Eimsbüttler Nachrichten, 27.03.2020 um 11:36, von Marianne Bruhns

Rubrik: SOLIDARITÄT

 

Es ist paradox: Hände waschen kann zurzeit Leben retten. Doch im Hamburger Seifenkontor herrscht tote Hose.

 

Andere hätten längst “Dollaraugen”, witterten das große Geschäft. Karsten-Wolfgang Kurth bleibt lieber sauber. Dabei verkauft der Geschäftsmann derzeit neben anderen Produkten rares Gut: Reine Pflanzenseife, unverpackt und palmölfrei. Eine für alles, für den ganzen Körper.

 

Entsprechend groß ist die Nachfrage. Apotheken und Online-Großhändler fragen an, wollen den gesamten Bestand leer kaufen, würden dafür Mondpreise bezahlen (Anmerkung des Seifenmannes: gemeint sind hiermit Preise, die weit unter den eigenen Produktionskosten liegen). Kurth, Inhaber des Hamburger Seifenkontor in der Oberstraße, lehnt das ab.

 

„Seife darf kein Luxusprodukt werden“

 

„Wir bleiben unserer Linie treu und verkaufen weiterhin nur an Endkunden“, so Kurth gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten. Außerdem müsse er seinen Laden schließen, wenn er den gesamten Bestand an Wiederverkäufer abgibt.

 

Genau das bringt ihn nun in finanzielle Nöte. Seine Drogerie hat zwar weiter auf, doch kaum noch Kunden. Er versteht nicht, warum die Menschen in den Supermärkten um Seife „kämpfen“, während bei ihm alles vorhanden ist.

 

„Gut für die Umwelt, gut für die Haut“

 

 

„Am liebsten kaufen die Kunden unsere Bodylotionseife“, erklärt er. Die Seife enthält einen hohen Anteil an Bio-Sheabutter, dadurch fühlt sich die Haut wie eingecremt an. Die Seife sei besonders für Berufstätige geeignet, die oft Desinfektionsmittel verwenden müssen, wie Kassierer oder Ärzte.

 

Für die Seifen verwendet Kurth Olivenöl, Kokosöl, Bio-Sheabutter, Farbstoffe und Duftstoffe. Außerdem plant er eine neue Serie: 100% Natur. In dieser werden keine Duft- oder Farbstoffe verwendet.

 

Sohn liefert mit Vespa aus

„Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein reines Stück Pflanzenseife ausreichend ist, um Hände, Türklinken oder Sonstiges zu desinfizieren“, so Kurth. Seifenmoleküle lösen die Fetthüllen von Viren vollständig auf, wenn man sich 20 Sekunden die Hände wäscht. Ein Stück Seife könne außerdem keine Viren von einer Hand auf die andere übertragen, wenn sie von mehreren Personen genutzt wird.

 

Viele Kunden sind laut Kurth unzufrieden mit Paketzustelldiensten. Deshalb liefert nun sein 17-jähriger Sohn mit einer Vespa aus. Gegen eine geringe Zustellpauschale bietet der Hamburger Seifenkontor eine kontaktlose Lieferung im Hamburger Stadtgebiet an. An einem Onlineshop arbeiten sie noch.

 

Produktion in Marseille

 

Die Seife produziert die deutsch-französische Familie in Hamburgs Partnerstadt, Marseille. Dort arbeiten sie mit einer kleinen Seifensiederei zusammen. „Ein- bis zweimal im Jahr fahren wir in den Hamburger Schulferien nach Frankreich, um gemeinsam mit der Siederei zu produzieren.“

 

Kurth entschied sich wegen des Zugangs zu Rohstoffen und der jahrelangen Erfahrung für die Siederei in Marseille. Weil der Ladeninhaber die Produktion aber vorfinanzieren muss, gerät er nun in finanzielle Nöte.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Hier geht es zum Originalbeitrag (externer Link).

 

 

Eimsbüttler Nachrichten in eigener Sache: Wir wollen so gut wie möglich über die aktuellen Entwicklungen informieren. Doch auch uns stellt die Corona-Krise vor finanzielle Herausforderungen. Unsere Kunden sind in erster Linie lokale Geschäfte aus Eimsbüttel, die derzeit massive Probleme haben und daher kaum noch Anzeigen buchen. Unterstütze uns: Eimsbüttel+ (externer Link).



 

Warum ein Hamburger Seifenverkäufer ausgerechnet jetzt vor der Pleite steht

Der Stern, 29.03.2020, 08:12 Uhr, von Daniel Bakir

INTERVIEW CORONAVIRUS

 

Händewaschen ist im Angesicht der Corona-Pandemie angesagt wie nie. Das Hamburger Seifenkontor sitzt trotzdem auf zwei Tonnen Seife und wird sie nicht los. Wie kann das sein? Ein Anruf bei Ladenbesitzer Karsten-Wolfgang Kurth.

 

Herr Kurth, zum Schutz gegen das Coronavirus waschen wir die Hände so oft und gründlich wie nie zuvor. Das müsste für einen Seifenverkäufer wie Sie doch eine goldene Zeit sein?

Könnte man meinen. Ich habe viele Bekannte, die mir sagen: Du verdienst dich bestimmt jetzt dumm und dämlich. Ist aber nicht so. Während sich die Kunden im Discounter um Hygieneartikel kloppen, herrscht bei uns im Laden gähnende Leere.

 

Wie kommt das?

Als Drogeriegeschäft dürfen wir zwar geöffnet haben. Aber die Leute trauen sich einfach nicht in den Laden. Man muss dazu sagen, dass wir ein sehr kleiner Laden sind und ein bisschen versteckt liegen. Viel Laufkundschaft haben wir auch sonst nicht, aber im Moment ist es gleich Null. Gleichzeitig erleben wir das Phänomen, dass uns Ebay-Händler anrufen, die unsere Seife gewinnbringend online weiterverhökern wollen. Wir wollen aber weiterhin an den Endkunden verkaufen.

 

Verkaufen Sie Ihre Seife denn selbst online?

Unser Onlineshop ist leider noch nicht fertig, das fällt uns jetzt auf die Füße. Und um uns bei Ebay zu listen, fehlt uns gerade die Manpower. Da muss man als Händler auch rechtssichere Texte haben, sonst bekommt man schnell eine Abmahnung.

 

Wieviel Seife verkaufen Sie normalerweise?

Unser Tagesumsatz liegt an guten Tagen bei bis zu 300 Euro. Zur Zeit verkaufen wir gar nichts.

 

Und wie lange halten Sie das durch?

Tja, die Kosten laufen weiter, also Ladenmiete und die Miete fürs Lager. Eigentlich wäre jetzt auch die Umsatzsteuer fürs erste Quartal fällig, da hat uns die Steuerbehörde zum Glück einen Aufschub gewährt. Aber länger als bis Mitte nächsten Monats halten wir so nicht durch.

 

Die Bundesregierung stellt Selbstständigen jetzt Finanzspritzen ab 9000 Euro über einen Zeitraum von drei Monaten zur Verfügung. Hilft Ihnen das weiter?

Ja, das wäre extrem hilfreich, um durch diese Zeit zu kommen. Aber es ist für uns Kleine sehr schwierig, den Überblick zu behalten, wo es staatliche Unterstützung gibt und wie man da rankommt.

 

Haben Sie noch Angestellte zu bezahlen?

Nein, im Prinzip bin das nur ich. Und meine Frau arbeitet mit. Von dem Laden allein könnten wir sowieso nicht leben. Wir gehen viel auf Messen und Freiluftmärkte, die normalerweise im Frühjahr losgehen. Diese Veranstaltungen fallen jetzt aber leider auch aus, was uns sehr trifft. Dabei haben wir unser Lager extra aufgestockt für diese Märkte.

 

Auf wie viel Seife sitzen Sie jetzt?

Ich denke, wir haben locker zwei Tonnen Pflanzenseife auf Lager. Wir verkaufen Palmöl-freie Seifen von hoher Qualität aus unserer eigenen Manufaktur. Ein 100-Gramm-Stück kostet fünf Euro. Damit können Sie sich mindestens 250 Mal die Hände desinfizieren.

 

Halten Ihnen wenigstens ein paar Stammkunden die Treue?

Einige wenige rufen an und dann schicken wir die Seife auch gerne. Innerhalb Hamburgs mache ich jetzt das Angebot, dass mein Sohn die Seife mit der Vespa vorbeibringt. Der ist 17 und muss ja gerade nicht zur Schule.

 

Zum Originalbeitrag gelangt Ihr hier (externer Link). Wir danken dem Hamburger Stern, dass wir den Text hier wiedergeben dürfen sowie für die erteilte Unterstützung!



Nachfolgend der Anschlussbericht der Eimsbüttler Nachrichten zu dem Artikel vom 27.03.2020 (siehe oben)

 

WAS MACHT EIGENTLICH...

Hamburger Seifenkontor: Goldene Zeiten für Seifenhändler?

02.07.2020, 10:48 Uhr

 

Der „Hamburger Seifenkontor“ muss seine Produktion in Marseille vorfinanzieren. Als kleines Fachgeschäft fällt ihm das nicht leicht – jetzt steigen noch die Rohstoffpreise.

(von Marianne Bruhns, hier findet Ihr die anderen Artikel der Autorin , externer Link)

 

Wie gehen Eimsbütteler Läden und Einrichtungen mit den Einschränkungen durch Corona um? Wir haben uns im Viertel umgesehen und nachgefragt.

 

Zwischen duftenden Kerzen, reichhaltiger Handcreme und bunten Seifen ziert der Spruch „In unserer Zukunft scheint die Sonne“ ein Schild im Hamburger Seifenkontor. So zuversichtlich Inhaber Karsten-Wolfgang Kurth auch sein mag – sonnig sieht es zurzeit nicht aus. Zu Beginn der Pandemie hatte er in drei Wochen nur fünf Kunden, obwohl er als Drogerie geöffnet haben durfte.

 

 

Verschiedene Medien berichteten darüber – danach standen die Kunden Schlange. Doch trotz Solidarität bleibt die finanzielle Lage angespannt. Goldene Zeiten für den Seifenhandel – gerade die werden dem kleinen Eimsbütteler Laden zum Verhängnis. Denn durch die Pandemie ist die Nachfrage nach Rohstoffen für die Seifenproduktion deutlich gestiegen. Die Folge: knappe Ressourcen und steigende Preise.

 

 

Für den Hamburger Seifenkontor ergibt sich dadurch eine Finanzierungslücke. So kann er nicht alle Seifen nachproduzieren. Kurth hofft, dass die Rohstoffpreise bald wieder sinken. Deshalb gibt er die Preissteigerung nicht an seine Kunden weiter, denn: „Seife darf auf keinen Fall ein Luxusprodukt werden“, findet der Inhaber. Mit dem Preisniveau vor der Pandemie rechnet Kurth dennoch nicht mehr.

 

 

Trotz der finanziellen Lage schließt der Seifenkontor am 10. Juli seine Türen für einen Monat. Dann fährt Inhaber Karsten-Wolfgang Kurth mit seiner Familie nach Marseille, um neue Seife zu produzieren. Alle Gerüche, Farben und Formen kann Kurth zwar nicht herstellen, aber: „Wir produzieren so viele Sorten und so lange, wie das Geld reicht.“ Ab Mitte August ist das Lager wieder gefüllt, und Kunden können sich auf neue Seife freuen.

 

Zusage für ersten Markt

Auch mit neuen Seifen im Repertoire dürfte der Rest des Jahres schwierig werden. Einen Großteil seines Umsatzes macht der Seifenkontor auf Märkten. Traditionell beginnt seine Saison am Ostermontag auf dem Markt am Museum der Arbeit. Dieser fiel aufgrund der Pandemie aus, wie auch alle folgenden. Nun hat Kurth die Zusage für den ersten Markt am Tag der Deutschen Einheit – dem eigentlichen Saisonabschluss.

 

 

Die Lockerungen der Corona-Regeln am Dienstag sind vielversprechend für Märkte, die unter freiem Himmel stattfinden. Kurth stellt sich trotzdem auf weniger Besucher und einen geringeren Umsatz ein. „Wir können die Vorjahre nicht mehr als Maßstab nehmen für die heutige Planung“, so der Seifenverkäufer. Viele Menschen würden solche Veranstaltungen aufgrund der Ansteckungsgefahr meiden. Und doch nimmt er teil: Der Zusammenhalt zwischen Geschäften sei während der Pandemie größer geworden – in Eimsbüttel, aber auch hamburgweit. Deshalb wolle er auch die Veranstalter unterstützen, denen die gesamte Saison weggebrochen ist.'

 

Quelle: Eimsbüttler Nachrichten, Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Originalbericht mit Bildern findet Ihr hier. Es handelt sich um einen externen Link.


Die Märzausgabe 2021 der Eimsbüttler Nachrichten mit einem mehrseitigen Interview vom Seifenmann zu seiner durchlebten Corona-Erkrankung in 12/2020 sowie deren Folgeschäden. Als Print & Online erhältlich! In Print bei uns im Laden für 3,00 EUR.